Mittlerweile ist es schon über ein Jahr her, seit ich von meiner erfolgreichen Zulassung zur Promotion berichtet habe. Und in dieser Zeit ist wirklich verdammt viel passiert. Noch im Dezember 2024 hatte ich davon erzählt, dass ich im Sommersemester 2025 meine erste großangelegte Studie starten möchte und mittlerweile kann ich (jedenfalls so inoffiziell) verkünden, dass diese sehr erkenntnisreich war und sogar an einer internationalen Konferenz angenommen wurde. Ende April darf ich nach Bergen (Norwegen) fliegen und die Ergebnisse einem Fachpublikum vorstellen, was mir schon beim bloßen Gedanken ziemliche Angst bereitet. Es ist eben immer noch ein riesiger Unterschied, einen Beitrag nachts in seinem Kämmerchen zu schreiben und diesen dann später vor Expert:innen zu präsentieren und zu diskutieren.
Aber dabei sollte es nicht bleiben. Noch während meiner ersten laufenden Studie habe ich bereits eine weitere geplant und durchgeführt. Dabei ging es um das Vertrauen in personalisierten Systemen und deren konkrete Wahrnehmung durch Studierende. Das mag für einige bestimmt ziemlich uninteressant klingen, aber in meinem Fall waren es wichtige Erkenntnisse und brachten meine Forschung ein ganzes Stück voran. An dieser Stelle müsste ich jetzt eigentlich auf meinen imaginären Holztisch klopfen, denn auch diese Ergebnisse konnte ich wissenschaftlich verwerten und Ende Juli vor einem Fachpublikum in Montreal vorstellen. Beide Publikationen haben für mich einen ziemlich hohen Stellenwert, da ich sehr wahrscheinlich später eine kumulative Dissertation abgeben möchte.
Exkurs: Kumulative vs. Monografische Dissertation
Wer sich mit dem Thema Promotion beschäftigt, stolpert früher oder später über die Frage, ob man eine kumulative oder eine monografische Dissertation anstrebt. Beide Wege führen prinzipiell zum selben Ziel, unterscheiden sich aber grundlegend in ihrer Herangehensweise.
Bei einer Monografie schreibt man eine einzelne, zusammenhängende wissenschaftliche Arbeit. Man entwickelt über mehrere Jahre hinweg ein Thema, baut Kapitel für Kapitel aufeinander auf und gibt am Ende ein umfassendes Werk ab. Das ermöglicht es, einen roten Faden über die gesamte Arbeit zu spannen und das Thema in seiner ganzen Tiefe zu durchdringen.
Bei einer kumulativen Dissertation hingegen setzt sich die Arbeit aus mehreren einzelnen Publikationen zusammen, die in Fachzeitschriften oder auf Konferenzen veröffentlicht wurden. Diese Einzelbeiträge werden am Ende durch eine übergreifende Klammer (Einleitung, theoretischer Rahmen, Diskussion) zu einer Dissertation zusammengeführt. Dadurch erhält man durch die Peer-Reviews bereits während der Promotion regelmäßiges Feedback und kann seine Forschung weiterentwickeln.
Für mich persönlich überwiegen die Vorteile der kumulativen Dissertation ganz deutlich. Ich kann dazu gerne noch ausführlicher berichten, aber sofern von der Universität die Möglichkeit besteht, würde ich prinzipiell immer kumulativ promovieren.
Wie geht es weiter?
Wie ich oben schon berichtet habe, ist im Hinblick auf meine Forschungsarbeit ziemlich viel passiert, aber ich bin auch ziemlich oft auf die Nase gefallen. Ich glaube, im vergangenen Jahr hatte ich bestimmt mindestens zehnmal das Bedürfnis, die Promotion komplett an den Nagel zu hängen. Dazu zählen beispielsweise Rebuttal-Verfahren, in denen man seine Arbeit vor anonymen Gutachter:innen rechtfertigen muss, Ethikanträge, die mit der heißen Nadel zu unchristlichen Uhrzeiten geschrieben wurden, oder auch die Bewältigung der Work-Life-Balance in der akademischen Welt, die nochmal ganz eigene Hürden mit sich bringt. Ich versuche in naher Zukunft auf jeden Fall, ein paar der angesprochenen Themen auf diesem Blog zu behandeln, da ich mir vorstellen kann, den ein oder anderen Tipp aus meiner bisherigen Erfahrung teilen zu können.
